Englisch-Lernen für Legastheniker

15. Oktober 2008

Gastbeitrag auf www.gedaechtnistraining.biz von David Gerlach.

Legasthenie

Die Legasthenie – je nach Definition allgemein auch als Lese-Rechtschreibschwäche bekannt – zeigt sich häufig in einer Vielzahl von Symptomen und Problemen. Eine genetische Disposition führt oft zu einer grundlegenden Veranlagung für Lese-Rechtschreibschwierigkeiten, die sich darin äußern, dass die betroffene Person visuelle und / oder akustische Informationen nicht in gleichem und ähnlich schnellem Maße aufnehmen kann wie eine ‘gesunde’ Person. Dabei sind Legastheniker aber keineswegs ‘krank’ – vielmehr zeigen Legastheniker häufig eine überdurchschnittlich hohe Intelligenz, scheitern aber unter Umständen in der Schule an den Grunddisziplinen Schreiben, Lesen und Rechnen, was ihnen eine Karriere oft verwehrt.


Legasthenie und Englischlernen


Dass das Erlernen von Fremdsprachen Legastheniker oft zusätzlich (über)fordern muss, erscheint logisch. Generell sind Legastheniker neuen Sprachen meist eher aufgeschlossen, kommen aber schnell durch das Hör-Verstehen, Lesen und schließlich das Schreiben wieder in den alten Trott, den sie aus dem Deutschunterricht kennen. Damit dies nicht geschieht, kann man legasthenen Englischlernern das Sprachenlernen durch folgende Tipps und Hinweise vereinfachen:

  • Generell sollte in Schulen der sogenannte Nachteilsausgleich und Notenschutz angewendet werden, damit eine aufgrund der Legasthenie schlechte Note in der Fremdsprache nicht zum Hindernis wird. (Fragen Sie die entsprechenden Lehrer Ihrer Kinder nach der Anwendung dieser rechtlichen Möglichkeit!)

  • Der Unterricht sollte nach einer klaren Struktur und nach Möglichkeit in einem langsameren Tempo verlaufen. Dass dies im normalen Schulunterricht mit normal lernenden Schülerinnen und Schülern fast unmöglich ist, bekräftigt die Forderung nach zusätzlichen Förderstunden für die Legastheniker an den Schulen.

  • Inhalte sollten nach Möglichkeit stark visuell erarbeitet werden. Beispielsweise eignen sich beim Vokabellernen die bekannten Vokabellernkarten, die den Begriff auf der ‘deutschen’ Seite als Bild darstellen. So wird dem Legastheniker zumindest eine Hälfte des Lesens erspart. Auch ein Erarbeiten von Wörtern auf kinästhetische Weise, zum Beispiel durch Basteln mit Knete oder Malen der Worte in Vogelsand, hat sich bewährt.

  • Wenn beim Englischlernen mit einem Lehrbuch gearbeitet wird, sollte geprüft werden, ob dies den legasthenen Englischlerner optisch nicht überfordert. Was schön aussieht, bunt und abwechslungsreich gestaltet ist, verwirrt Legastheniker oft zusehends. Eine vergrößerte Kopie der zu bearbeiteten Übung kann dem Betroffenen die Bearbeitung erleichtern.

  • Ein hoher Sprech- und Sprachanteil erleichtert den legasthenen Lernern den Einstieg in die Sprache, bevor sie mit den Schreibweisen konfrontiert werden. Da die englische Sprache oft anders geschrieben als gesprochen wird (im Gegensatz zum Großteil des Deutschen), ist es genau so wichtig, einem Legastheniker das Wortbild anhand von klaren Regeln darzulegen und es ihn mit vielen Wiederholungen einprägen zu lassen.

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